MTB Geschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Geschichte des Mountainbikes

 

Stumpjumper von 1982 und 2007

 Joe Breeze Garry Fisher

Tom Ritchey
 

Schon seit der Erfindung des Zweirades beschränkte sich dessen Einsatzbereich nicht nur auf Straßen. Schon früh bewegte man sich gern im Gelände, und bereits zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurden Cross-Rennen ausgetragen. Mit der Herstellung der ersten großvolumigen Reifen Anfang der dreißiger Jahre, wurde es noch leichter, sich abseits der großen Straßen zu bewegen. Die Entwicklung des heutigen Mountainbikes nahm aber erst in den frühen siebziger Jahren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ihren Anfang.
In Marin County, Calefornia, nördlich der Golden Gate Bridge von San Francisco, ragt der Mount Tamalpais aus dem Ozean. Er war Übungsgebiet und Trainingsgelände einer Gruppe eingefleischter Bike Freaks, die mit ihren so genannten Cruisern, Ballooners oder Clunkers die unendlichen Forstwege unsicher machten. Die Bikes (Schwinn-Modelle) waren mit nur einem Gang, Rücktritt, breitem Lenker und großvolumigen Reifen auf Stahlfelgen ausgerüstet. Die vier Bike-Pioniere Garry Fisher, Charly Kelly, Joe Breeze und Tom Ritchey sorgten dafür, dass sich dieser Spaß zu einer richtigen Massensportart weiterentwickelte.

Garry Fisher beschäftigte sich mit der Montage eines Kettenwechslers, um mehrere Gänge für das Bergauffahren zur Verfügung zu haben. Die verbesserte Übersetzung war jedoch nur ein Mittel zum Zweck. Das Wichtigste war immer noch die Mount-Tam-Abfahrt. Im September 1976 organisierte Charly Kelly zum ersten Mal das legendäre Repack Downhill. - Nach jeder Abfahrt musste die Rücktrittbremse zerlegt werden, weil das Schmierfett vom vielen Bremsen ausbrannte - daher auch der Name Repack. Kelly war weniger Tüftler, aber mit seiner Publikation im Outside Magazine 1979 und der Herausgabe des ersten Mountainbike Szeneblatts Fat Tire Flyer maßgeblich daran beteiligt, den neuen Sporttrend aus Kalifornien bekannt zu machen. Joe Breeze war der dritte im Bunde. Er entwickelte im September 1977, als die alten Schwinn-Rahmen den steigenden Ansprüchen nicht mehr standhielten, einen neuen Rahmen. Dieser hatte in Konstruktion und Geometrie große Ähnlichkeit mit den heute erhältlichen Mountainbikes und wurde zum Prototyp. Joes Bike-Kumpels waren davon so begeistert, dass er neun weitere Modelle herstellte. Zu jener Zeit hatte Tom Ritchey einen guten Namen im Rennradbau. Er besaß große Erfahrung in diesem Bereich und baute, von Joe Breeze inspiriert Ende 1979 sein erstes Montainbike.
Der Erfolg brachte Fisher und Breeze 1979 dazu eine Firma zu gründen. Mit dem Namen Ritchey Mountainbikes tauchte erstmals dieses Wort auf, das unserem Sport heute seinen Namen gibt. Da noch nichts Gleichartiges erhältlich war mussten einzelne Komponenten wie Lenker Vorbau Sattelstütze und Tretlagergarnitur selbst hergestellt werden. Andere Teile, wie zum Beispiel die 18Gang-Suntourr-Schaltung wurden aus dem Touring-Bereich übernommen. Das Ritchey Bike wog 17kg. Bis Ende 1979 wurden 400 davon verkauft, obwohl sich die Verbreitung nur auf das nördliche Kalifornien beschränkte.

Im Januar 1980 wurde das Ritchey Mountainbike auf der internationalen Bike Show in Annaheim vorgestellt. Es eroberte die Titelseite des Bicycle Magazine, der großen amerikanischen Fachzeitschrift und löste überall im Land Begeisterung aus. Mike Synard, Gründer der Firma Specialized erkannte die Chance und ging in Japan in die Massenproduktion. Das Resultat war der Stumpjumper, der 1981 auf den Markt kam. Fisher und Kelly trennten sich 1983 von Ritchey, um wie viele andere ihr eigenes Geschäft zu starten.
Parallel zur Geschichte des Mountainbikes hat auch der Mountainbike Rennsport seinen Anfang genommen. Bald nach dem Verkauf der ersten Mountainbikes in Kalifornien folgten die ersten Wettkämpfe. Im Gegensatz zum legendären Repack Downhill war Anfang der achtziger Jahre eine große Schleife von bis zu 50km zu bewältigen, genannt Cross-Country.
1983 wurde erstmals eine US-Meisterschaft ausgetragen und parallel zum boomenden Markt bildeten sich langsam die ersten Profiteams. 1987 fand das erste europäische Rennen statt, die inoffizielle WM in Villars de Lans (Frankreich). 1988 kam das Mountainbike auch in Europa richtig ins Rollen und der Elektronik Konzern Grundig organisierte unter der Bezeichnung Grundig Challenge Cup und später Grundig World Cup Rennen in ganz Europa. Zum letzten Mal gab es 1989 inoffizielle Weltmeisterschaften, dafür gleich zwei: eine in Spa, Belgien und eine in Mammoth Lakes, Kalifornien.
1990 nahm die UCI Mountainbiken neben Straßen- sowie Bahnrennen und Querfeldein-Radrennen in ihr Programm auf. In Durango, Colorado gab es im selben Jahr die ersten offiziellen Weltmeisterschaften. Bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 war Mountainbiken erstmals olympische Disziplin. Die Rennen wurden live in die ganze Welt übertragen und an diesem Tag sicherte sich das Mountainbike definitive Präsenz in der breiten Öffentlichkeit.

Und was tat sich in Deutschland?
Wolfgang Renner ist der Mann ohne Gesicht. Ein Macher. Ein Visionär. Ein bisschen Freak. Aber kein Medientyp. Und deshalb in der öffentlichen Wahrnehmung praktisch nicht existent. Er hat das Mountainbike nach Deutschland gebracht. Er überquerte als erster die Alpen, zwang den sturen Funktionären vom Radfahrerbund die erste Deutsche Mountainbike-Meisterschaft auf und schrieb an den ersten Ausgaben des TOUR-Magazins. Seine Schmiede Centurion gehört zu den Großen der Branche, das Firmenteam zu den erfolgreichsten der Bike-Geschichte. Wolfgang Renner hat Pionierleistungen vollbracht. Das Blitzlicht hat er anderen überlassen. Als ihn seine Marketing-Abteilung unlängst ins Zentrum einer Werbekampagne rücken wollte, habe er sich anfangs mit Händen und Füßen gewehrt. Er sei eben anders als sein amerikanischer Promi-Kollege Gary Fisher, der seit Jahren von der Rolle des schrillen Bike-Pioniers lebt. Über zwei Millionen Internet-Einträge findet die Suchmaschine Google über Fisher, zu Renner gerade mal 42 000. „Ich bin nicht der Typ, der im rosa Glitzerfummel durch die Gegend läuft. Gary ist ein netter Typ. Privat hätten wir uns aber sicher nicht viel zu sagen“. (Dies ist ein Ausschnitt aus einem Artikel der Zeitschrift BIKE)

 

 

 

 

 

 

 

 

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